Arbeitgeberlexikon


Gewährt der Arbeitgeber oder ein Dritter dem Arbeitnehmer aufgrund des Arbeitsverhältnisses ein zinsfreies oder zinsverbilligt Darlehen, gehören Zinsvorteile als Sachbezug zum steuerpflichtigen Arbeitslohn, wenn die Summe der noch nicht getilgten Darlehen am Ende des Lohnzahlungszeitraums 2.600 € übersteigt (vgl. BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung von Arbeitgeberdarlehen vom 19.05.2015, GZ IV C 5 - S 2334/07/0009 DOK 2015/0316822). Der Arbeitnehmer erlangt keinen lohnsteuerlich zu erfassenden Vorteil, wenn der Arbeitgeber ihm ein Darlehen zu einem marktüblichen Zinssatz (Maßstabszinssatz) gewährt (BFH-Urteil vom 4. Mai 2006 - VI R 28/05 -, BStBl II S. 781). Marktüblich in diesem Sinne ist auch die nachgewiesene günstigste Marktkondition für Darlehen mit vergleichbaren Bedingungen am Abgabeort unter Einbeziehung allgemein zugänglicher Internetangebote (z. B. von Direktbanken).

Für die Ermittlung des geldwerten Vorteils ist danach zu unterscheiden, ob die Vergabe von Darlehen zum typischen Geschäftsbereich des Unternehmens gehört. Gewährt etwa eine Bank ihrem Bankangstellten ein zinsverbilligtes Arbeitgeberdarlehen, dann richtet sich die steuerliche Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG (R 8.1 , R 8.2 LStR 2015). Gehört das Darelehen nicht zum typischen Geschäftsbereich - z.B. ein Hoteldirektor gewährt einem seiner Haustechniker ein Darlehen -  dann erfolgt die Bewertung nach § 8 Abs. 2 EStG.

Auf die Bewertung nach § 8 Abs. 3 EStG soll hier nicht näher eingegangen werden.  Auf das o. g. BMF-Schreiben zur steuerlichen Behandlung von Arbeitgeberdarlehen vom 19.05.2015 wird hingewiesen.

Bei nach § 8 Abs. 2 EStG zu bewertenden Zinsvorteilen bemisst sich der geldwerte Vorteil nach dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Maßstabszinssatz für vergleichbare Darlehen am Abgabeort und dem im konkreten Einzelfall vereinbarten Zinssatz. Kriterien sind insbesondere die für die Kreditart typischen Bedingungen der Darlehenslaufzeit und der Zinsfestlegung (z. B. Baufinanzierungskredit, Überziehungskredit). Für die Ermittlung des Maßstabszinssatzes kann auf die von der Deutschen Bundesbank bei Vertragsabschluss zuletzt veröffentlichten Effektivzinssätze zurückgegriffen werden. Auf den Effektivzinssatz ist ein Abschlag von 4% zulässig, d.h. statt 5% können 4,8%  angesetzt werden. Der Unterschiedsbetrag aus dem Maßstabszinssatz und dem konkret gewährten Zinssatz, stellt den geldwerten Vorteil dar. Auf die Zinszahlungszeiträume (z.B. monatlich, jährlich) kommt es nicht an. Wurde eine Zinsfestlegung getroffen, ist grundsätzlich der Maßstabszinssatz bei Vertragsabschluss für die gesamte Vertragslaufzeit maßgeblich.

Werden die Zinskonditionen desselben Darlehensvertrags neu vereinbart, ist eine erneute Bewertung vorzunehmen. Die Grundlagen für die Bewertung des Zinsvorteils sind zum Lohnkonto zu nehmen. Wird die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 44 € eingehalten, bleiben Zinsvorteile stets steuerfrei (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG) und sozialversicherungsfrei (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 SvEV). Bei Überschreiten der Grenze ist der Vorteil insgesamt steuer- und sv-pflichtig. Liegt ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil aus einem Arbeitgeberdarlehen i. S. d. § 8 Abs. 2 EStG vor, kann dieser pauschal besteuert werden (§ 37b EStG). Fallen nach Beendigung oder bei Ruhen eines Arbeitsverhältnisses infolge eines noch nicht getilgten zinslosen oder zinsverbilligten Arbeitgeberdarlehens geldwerte Vorteile an, so ist dies dem Betriebsstätten Finanzamt anzuzeigen, sofern die Lohnsteuer nicht nachträglich einbehalten werden kann (vgl. § 41c Abs. 4 Nr. 2 EStG, R 42c.3 LStR 2015).

Der Zinsvorteil ist  als  Sachbezug grundsätzlich bei der Freigrenze für Sachbezüge von monatlich € 44.- zu beachten.  

Werden neben dem Zinsvorteil weitere Sachbezüge wie etwa ein Warengutschein gewährt, werden diese Sachbezugswerte  zusammengerechnet.  Ist die Freigrenze von 44 € überschritten, unterliegen die Sachbezüge vollständig der Steuer- und Sozialversicherungspflicht. 

Ein steuerpflichtiger Zinsvorteil aus einem Arbeitgeberdarlehen i.S.d. § 8 Absatz 2 EStG kann nach § 37b EStG pauschal besteuert werden. Die Entscheidung § 37b Absatz 2 EStG anzuwenden ist für das Kalenderjahr bindend,

Das Betriebsstätten Finanzamt hat im Rahmen einer Anrufungsauskunft (§ 42e EStG) jedem Beteiligten verbindlich mitzuteilen, ob und inwieweit im einzelnen Fall Lohnsteuerpflicht besteht.

 

Stand: 02/2016

 

lohn-ag.de AG

https://lohn-ag.de/images/logos/logo-web.png

Flugstr. 15 - D-76532 Baden-Baden

+49 7221 39399-10

info@lohn-ag.de