Arbeitgeberlexikon


Eine doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes seiner ersten Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhält und auch am Ort der ersten Tätigkeitsstätte wohnt (§ 9 Abs.1 Satz3 Nr.5 EStG, R 9.11 LStR 2015), d.h. er am Ort der ersten Tätigkeitsstätte tatsächlich auch übernachtet.

Die doppelte Haushaltsführung ist steuerbegünstigt, wenn sie beruflich veranlasst ist. Beruflich veranlasst ist der Bezug einer Zweitwohnung in der Regel  bei einem Wechsel des Beschäftigungsorts auf Grund einer Versetzung, des Wechsels des Arbeitgebers oder der erstmaligen Begründung eines Dienstverhältnisses.

Beziehen beiderseits berufstätige Ehegatten am gemeinsamen Beschäftigungsort eine gemeinsame Zweitwohnung, liegt ebenfalls eine berufliche Veranlassung vor.  Dies gilt selbst dann, wenn der nicht berufstätige Ehegatte seinen Partner an den Beschäftigungsort begleitet.

Grundsätzlich muss die Hauptwohnung (gleich ob Eigentum oder Miete) der auf Dauer angelegte Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers sein. Dies ist jedenfalls gegeben, wenn der Ehepartner dort  tatsächlich wohnt.  Auch in anderen Fällen, etwa bei Singles kann der Mittelpunkt des Lebensinteresses anderweitig begründet sein, wenn an der Hauptwohnung das eigentliche Privatleben des Arbeitnehmers stattfindet, d.h. dort Freundschaften gepflegt werden und privates Engagement z.B. in Verein oder Kirche stattfindet. Eine Briefkastenadresse reicht somit nicht aus, um einen Hausstand zu begründen.

Weiter ist erforderlich, dass der Arbeitnehmer sich an den Kosten der Haushaltsführung  (z.B. Miete, Kosten für Lebensmittel und für Waren des täglichen Bedarfs) zumindest beteiligt, wobei ein Anteil von mindestens 10% für ausreichend erachtet wird. Dies gilt beispielsweise für den Haushalt der Lebenspartnerin, die Mieterin der Hauptwohnung ist oder den Junggesellen, der noch zu Hause bei den Eltern wohnt. Erst durch Kostenbeteiligung kann der Arbeitnehmer die Privilegien der doppelten Haushaltsführung für sich in Anspruch nehmen.

Gemäß § 9 Abs.1 Satz3 Nr.5 EStG kann der Arbeitnehmer notwendige Mehraufwendungen, die ihm wegen einer beruflich veranlassten doppelten Haushaltsführung entstehen, als Werbungskosten gelten machen. Zu den notwendigen Mehraufwendungen zählen u.a.:

Fahrtkosten für den Umzug sowie für wöchentliche Heimfahrten, verkehrsmittelunabhängig pauschal mit € 0,30 je Entfernungskilometer möglich

Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten 3 Monate (jeweils € 12 für Ab-und Anreisetag, € 24 für 24 Stunden)

Aufwendungen für die Zweitwohnung bis  € 1.000 monatlich

Umzugskosten in tatsächlicher Höhe oder pauschal € 730

Nach § 3 Nr. 16 EStG kann der Arbeitgeber Mehraufwendungen des Arbeitnehmers für  doppelte Haushaltsführung steuerfrei ersetzen, soweit die Erstattung die nach § 9 Abs.1 Satz3 Nr.5 EStG als Werbungskosten abziehbaren Aufwendungen nicht übersteigt.

 

Stand 01/2016

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