Arbeitgeberlexikon


Geringfügige Beschäftigung
450€ Minijob
kurzfristiger Minijob

Beim 450-€-Minijob beträgt die monatliche Verdienstgrenze derzeit 450 € pro Monat. Bei einer 12-monatigen Beschäftigung somit 5400 €. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt nur dann vor, wenn sie nicht regelmäßig, sondern gelegentlich ausgeübt wird. Eine kurzfristige Beschäftigung ist befristet auf 3 Monate (Kalender oder Zeitmonate) oder 70 Arbeitstage (auch kalenderjahresübergreifend). Minijobs sind im gewerblichen Bereich oder im Privathaushalt möglich. Beide Beschäftigungsformen werden Minijobs genannt, dürfen aber nicht verwechselt werden.


450€-MINIJOB: REGELMÄßIGER VERDIENST MONATLICH MAX. 450€
ECKDATEN EINES 450€-MINJOBS:

  • regelmäßiges Arbeitsentgelt 450 € pro Monat
  • maximal dreimaliges Überschreiten der Verdienstgrenze möglich, wenn es unvorhersehbar war (Sonderregelung 1. Juni 2021 bis 31. Oktober 2021: maximal 4 Kalendermonate). Unvorhergesehen sind nur betrieblich nicht planbare Umstände. Planbar sind beispielsweise im Rahmen des bezahlten Urlaub steuer- und beitragspflichtig fortzuzahlenden Zuschläge für Sonn-, Feiertags- oder Nachtarbeit.
  • Verdienstgrenze maximal 5.400 € pro Jahr bei durchgehender 12 Monate dauernder Beschäftigung. Monate ohne Verdienst verringern den Teiler. Monate ohne Anspruch auf Arbeitsentgelt zählen nicht mit.
  • Arbeitszeitkonten sind möglich. Auf Basis des gesetzlichen Mindestlohns dürfen nur 50 % der monatlichen Regelarbeitszeit auf das Konto eingestellt werden.
  • Es ist zulässig aus abrechnungstechnischen Gründen stets zu Beginn eines jeden Kalenderjahres eine erneute vorausschauende Jahresbetrachtung zur Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts anzustellen. Für die vorausschauende Prüfung ob ein 450 € Minijob vorliegt ist eine Prognose vorzunehmen. Einmalige Einnahmen, deren Gewährung mit hinreichender Sicherheit (z.B. aufgrund eines für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrags, einer Betriebsvereinbarung, eines Arbeitsvertrages oder aufgrund Gewohnheitsrechts wegen betrieblicher Übung) mindestens einmal jährlich zu erwarten ist, sind nach Auffassung der Spitzenverbände bei der Ermittlung des Arbeitsentgelts zu berücksichtigen. Hat der Arbeitnehmer auf die Zahlung einer einmaligen Einnahme im Voraus schriftlich verzichtet, dann kann die einmalige Einnahme - ungeachtet der arbeitsrechtlichen Zulässigkeit eines solchen Verzichts - vom Zeitpunkt des Verzichts an bei der Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts nicht berücksichtigt werden, so die Spitzenverbände weiter.
  • Verzicht auf Rentenversicherungsflicht / Rentenversicherungsfreiheit: Gesetzlich Rentenversicherungspflichtige 450 € Minijobber können sich durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Der Verzicht kann nachteilhaft sein. Insbesondere wird bei einem Verzicht die Beschäftigung nicht auf die Anwartschaftsjahre angerechnet. Der Verzicht wirkt frühestens ab dem Tag nach dem Zugang beim Arbeitgeber und kann für die Dauer der geringfügigen Beschäftigung nicht widerrufen werden. Altersvollrentner und Versorgungsbezieher können für die Dauer der Beschäftigung auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Die schriftliche Erklärung des Arbeitnehmers ist zu den Lohnunterlagen zu nehmen.


450€-MINIJOB: PAUSCHALE ABGABEN UND STEUERN BEI EINEM VERDIENST VON 450€

Abgaben Arbeitgeber
in %
Arbeitnehmer
in %
Beitragsgruppe
 
Abgaben in €
Arbeitgeber
Abgaben in €
Arbeitnehmer
 
Krankenversicherung
wenn AN gesetzlich krankenversichert
Beachte: Durch Minijob kein
eigenständiger gKV-Schutz

13% - 6000 58,50€ -  
Krankenversicherung
wenn AN NICHT gesetzlich
krankenversichert

- -   -    
Pflegeversicherung

- -   -    
Rentenversicherung
wenn AN gesetzlich rentenversichert

15% vom
tatsächlichen Verdienst
3,80% von
mindestens 175€
0100 67,50€ 16,20€  
Rentenversicherung
wenn befreit oder
rentenversicherungsfrei

- - 0500 -    
Umlage U1
Aufwendungen bei Krankheit
Kleinbetriebe max. 30 Mitarbeiter

1%     4,50€    
Umlage U2
Aufwendungen bei Mutterschaft

0,39%     1,76€    
Insolvenzgeldumlage

0,12%     0,54€    
Lohnsteuer
2%
einheitliche Pauschsteuer,
anwendbar falls Beitrag zur Rentenversicherung
pauschal mit 15% zu berechnen ist,
2% Pauschsteuer enthält bereits
Kirchensteuer u. Soli
Pauschsteuer kann auf AN abgewälzt werden

2%     9,00€    
Lohnsteuer
20%
falls kein Pauschalbetrag
zur Rente zu zahlen ist,
dann 20% Pauschsteuer zzgl. Soli
(5,5% der pauschalen Lohnsteuer)
und Kirchensteuer nach Landesrecht

           
Lohnsteuer
individuell
individuelle Versteuerung gem.
Lohnsteuerabzugsmerkmalen
(Vorsicht bei Steuerklasse V und VI)

           
Zwischensumme

      141,80€ 16,20€  
an Minijob-Zentrale abzuführen
bei 2% pauschaler Lohnsteuer


          158€
Unfallversicherung
individueller Beitrag an den
zuständigen Unfallversicherungsträger
           

 

KURZFRISTIGE BESCHÄFTIGUNG: 3 MONATE ODER 70 ARBEITSTAGE

  • Eine kurzfristige Beschäftigung ist gekennzeichnet von dem nur vorübergehenden Bedarf. Die Beschäftigung ist von vornherein begrenzt auf längstens 3 Monate (90 Kalendertage) oder 70 Arbeitstage. Als Sonderregelung gelten in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober 2021 vorübergehend 4 Monate oder 102 Arbeitstage.
  • Die zeitlichen Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung sind unabhängig von der arbeitszeitlichen Ausgestaltung der Beschäftigung immer erfüllt, wenn die Beschäftigung entweder auf längstens drei Monate oder bei einem darüber hinaus gehenden Zeitraum auf längstens 70 Arbeitstage befristet ist.
  • Im Vorjahr begonnene Beschäftigungen werden nur mit der im laufenden Kalenderjahr liegenden Beschäftigungszeit berücksichtigt. Wird durch eine Zusammenrechnung mehrerer kurzfristiger Beschäftigungen die Zeitgrenze von drei Monaten bzw. 90 Kalendertagen oder die Zeitgrenze von 70 Arbeitstagen überschritten, handelt es sich um eine regelmäßig ausgeübte Beschäftigung. Ggf kann ein 450-€-Minijob vorliegen.
  • Volle Kalendermonate werden mit 30 Kalendertagen, Teilmonate mit den tatsächlichen Kalendertagen berücksichtigt.
  • Ein Nachtdienst, der sich über zwei Kalendertage erstreckt, gilt als ein Arbeitstag. Werden mehrere kurzfristige Beschäftigungen an einem Kalendertag ausgeübt, gilt dieser Kalendertag ebenfalls als ein Arbeitstag.
  • Zu den kurzfristigen Beschäftigungen gehören auch Beschäftigungen, die durch eine längstens für ein Jahr befristete Rahmenvereinbarung mit Arbeitseinsätzen von maximal 70 Arbeitstagen oder 90 Kalendertagen befristet sind.

Wenn die Beschäftigung bei vorausschauender Betrachtung von vornherein auf ständige Wiederholung gerichtet ist und über mehrere Jahre hinweg ausgeübt werden soll, liegt keine kurzfristige Beschäftigung vor. Liegt eine regelmäßige Beschäftigung vor, kann es sich um einen 450 € Minijob handeln.

Auf die Höhe des Verdienstes kommt es für die beitragsrechtliche Beurteilung, ob eine kurzfristige Beschäftigung vorliegt nicht an (anders bei der Lohnsteuer!).
Bei einem Verdienst von mehr als 450 € darf die kurzfristige Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Die Tätigkeit muss hierzu wirtschaftlich von untergeordneter Rolle sein.


PAUSCHALE ABGABEN UND STEUERN BEI KURZFRISTIGER BESCHÄFTIGUNG

Kurzfristige Minijobber zahlen keine Abgaben zur Sozialversicherung.


PAUCHALE ABGABEN UND STEUERN FÜR 2160€ (18 Tage Arbeit zu acht Stunden a 15€)

Abgaben Arbeitgeber
in %
Arbeitnehmer
in %
Beitragsgruppe
 
Abgaben in €
Arbeitgeber
Abgaben in €
Arbeitnehmer
 
Krankenversicherung - -        
Pflegeversicherung - -        
Rentenversicherung - -        
Umlage 1 1%     21,60€    
Umlage 2 0,39%     8,42€    
Unfallversicherung individueller Beitrag
an die zuständige
Unfallversicherung
         
Arbeitslosenversicherung            
Insolvenzgeldumlage 0,12%     2,59€    
Steuern
Pauschalierung an
Voraussetzungen gebunden;
Pauschalsteuer kann
abgewälzt werden
25%     540€    


Die Besteuerung erfolgt

  • entweder individuell gem. Lohnsteuerabzugsmerkmalen
  • oder Pauschsteuersatz von 25 % des Arbeitslohns.

Die Pauschalsteuer kann bei entsprechender Vereinbarung auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden.
Voraussetzung für die Pauschsteuer bei einer kurzfristigen Beschäftigung:

  • Arbeitnehmer wird gelegentlich, nicht regelmäßig wiederkehrend beschäftigt
  • maximal 18 zusammenhängende Arbeitstage
    und
  • maximal 120 € Arbeitslohn durchschnittlich je Arbeitstag
    oder
  • die Beschäftigung wird zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt sofort erforderlich
  • maximal 15 € Stundenlohn.
  • der Arbeitnehmer darf nicht für eine andere Beschäftigung von demselben Arbeitgeber Arbeitslohn beziehen, der nach § 39b EStG oder § 39c EStG dem Lohnsteuerabzug unterworfen wird.

MEHRFACHBESCHÄFTIGUNG

Neben eine Hauptbeschäftigung ist nur eine 450-€-Minijob-Beschäftigung möglich. Werden zeitgleich mehr als ein 450-€-Minijob ausgeübt, wird der zweite zeitlich nach dem zuerst begonnenen Minijob, einer bestehenden Hauptbeschäftigung zugerechnet und die Beiträge anteilig aufgeteilt.
Wird ein 450-€-Minijob und eine kurzfristige Beschäftigung ausgeübt, werden diese Beschäftigungen nicht zusammengerechnet.
Bei kurzfristigen Beschäftigungen ist jeweils bei Beginn einer neuen Beschäftigung zu prüfen, ob diese zusammen mit den schon im laufenden Kalenderjahr ausgeübten kurzfristigen Beschäftigungen die maßgebenden Zeitgrenzen überschreitet.


GRENZÜBERSCHREITENDE SACHVERHALTE A1 BESCHEINIGUNG

Üben Arbeitnehmer eine geringfügige Beschäftigung in Deutschland aus und sind daneben in einem anderen EU-/EWR-Mitgliedstaat sowie der Schweiz erwerbstätig, können die Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit eines anderen Mitgliedstaates gelten. Finden die Regelungen für geringfügige Beschäftigungen in Deutschland keine Anwendung, sind keine Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung und auch keine anderen Abgaben zu zahlen. Sämtliche Melde- und Beitragspflichten richten sich dann nach dem Recht des anderen zuständigen Mitgliedstaates. Zur Klärung des anzuwendenden Sozialversicherungsrechts wird eine sogenannte A1-Bescheinigung benötigt.


HINWEIS AUF BENACHTEILIGUNGSVERBOT

Teilzeitbeschäftigte dürfen nicht schlechter gestellt werden als vergleichbare Vollzeitbeschäftigte, außer aus sachlichen Gründen. Teilzeitbeschäftigte haben Anspruch auf anteiligen Lohn sowie Urlaub und Gratifikationen wie vergleichbare Vollzeitbeschäftigte. Wird Teilzeitbeschäftigten ohne rechtlichen Grund eine geringere Vergütung als Vollzeitbeschäftigten gezahlt, kann beitragspflichtiger Phantomlohn vorliegen.

Gesetzesgrundlagen

§ 8 SGB IV,
§ 20 SGB IV,
§ 40 EStG,
§ 40a EStG,
§ 4 TzBfG,
§ 106 SGB IV,
BSG-Urteil vom 24. November 2020 (B 12 KR 34/19 R),
Verlautbarung der Gkv-Spitzenverbände vom 31. Mai 2021,
Richtlinien für die versicherungsrechtliche Beurteilung von geringfügigen Beschäftigungen (Geringfügigkeits-Richtlinien) vom 26. Juli 2021


"Die Angaben dienen lediglich als erste Hinweise. Sie können und sollen eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der Angaben kann trotz sorgfältiger Prüfung keine Gewähr übernommen werden. Professionelle Beratung im Arbeitsrecht erhalten Sie bei der lohn-ag.de Rechtsanwaltgesellschaft GmbH."

Beim 450-€-Minijob beträgt die monatliche Verdienstgrenze derzeit 450 € pro Monat. Bei einer 12-monatigen Beschäftigung somit 5400 €. Eine kurzfristige Beschäftigung liegt nur dann vor, wenn sie nicht regelmäßig, sondern gelegentlich ausgeübt wird.


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