Arbeitgeberlexikon


Nutzt Ihr Mitarbeiter den Firmenwagen ausschließlich zu betrieblichen Zwecken und ist ihm die private Nutzung nicht gestattet, fällt keine Steuer an. Der Mitarbeiter wird mit dem Fahrzeug nicht entlohnt, soweit er zur Privatnutzung nicht befugt ist (BFH Urteil vom 21.03.13 Az.: VI R 42/12 und 18.04.13 Az.: VI R 23/12).

Ist die private Nutzung des Firmenwa­gens dem Arbeitnehmer gestattet, sind neben der Lohn­steuer auch Sozialversicherungsbei­träge fällig. Es kommt nicht darauf an, ob der Arbeitnehmer das Fahrzeug tatsächlich auch privat nutzt, da bereits die eingeräumte  Nutzungsmöglichkeit den geldwerten Vorteil ausmacht.

Für die Versteuerung des geldwerten Vorteils der privaten Nutzungsmöglichkeit gibt es zwei Methoden:

1.)   Fahrtenbuch

Bei der Fahrtenbuchmethode muss jede Wegstrecke detailliert in ein dokumentenecht zu führendes Fahrtenbuch eingetragen werden, sodass sämtliche Fahrzeugkosten nach privatem  und beruflichem Anteil getrennt werden können.

 

2.)   Prozent-Methode

a)     Nach der Prozentmethode muss sich der Arbeitnehmer 1% des Bruttoneuwagenlistenpreises einschließlich Sonderzubehör als geldwerten Vorteil für die private Nutzungsmöglichkeit anrechnen lassen.

Es kommt nicht darauf an, ob es sich um ein Neufahrzeug oder einen Gebrauchtwagen handelt, d.h. auch für einen Gebrauchtwagen ist der Bruttoneuwagenlistenpreises anzusetzen. Unerheblich ist auch,  welcher Kaufpreis oder welche Leasingrate gezahlt wird.

b)    Zusätzlich sind 0,03% des Bruttoneuwagenlistenpreises  je Kilometer der einfachen Wegstrecke vom Wohnort zur 1.Tätigkeitsstätte jeden Monat als geld-werter Vorteil  für die private Nutzungsmöglichkeit anzusetzen.

Anstelle der 0,03 %-Methode kann für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte auch eine Einzelbewertung mit 0,002 % des Bruttoneuwagenlistenpreises je  Entfernungskilometer (nur einfache Fahrt, d.h. einfache Wegstrecke von der Wohnung zur 1. Tätigkeitsstätte)  vorgenommen werden, wobei der Arbeitnehmer im Einzelnen schriftlich zu er-klären hat, an welchen Tagen er das Firmenfahrzeug für diese Fahrten nutzte. Die Einzelbewertung ist nur bis zu 180 Tage im Jahr zulässig (Jahresbetrachtung - nicht 15 Tage im Monat!). Ein unterjähriger Wechsel von der Einzelbewertung zur 0,03%-Pauschale ist nicht möglich.

c)     Der geldwerte Vorteil  ist  bei der Prozent-Methode auf den Betrag begrenzt, den der Arbeitgeber tatsächlich für dieses Fahrzeug im Gesamten einschließlich etwaiger Abschreibungen brutto aufwendet (Deckelung des geldwerten Vorteils, BMF-Schreiben vom 05.06.2014 - IV D 2 - S 7300/07/10002: 001,  Rd. 18 BMF-Schreiben vom 18.11.2009, BStBl 2009 I S. 1326):

„Begrenzung der pauschalen Wertansätze (sog. Kostendeckelung)

Der pauschale Nutzungswert nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2  EStG sowie die nicht abziehbaren Betriebsausgaben für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte und Familienheimfahrten nach § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6  EStG können die für das genutzte Kraftfahrzeug insgesamt tatsächlich entstandenen Aufwendungen übersteigen. Wird das im Einzelfall nachgewiesen, so sind diese Beträge höchstens mit den Gesamtkosten des Kraftfahrzeugs anzusetzen. Bei mehreren privat genutzten Kraftfahrzeugen können die zusammengefassten pauschal ermittelten Wertansätze auf die nachgewiesenen tatsächlichen Gesamtaufwendungen dieser Kraftfahrzeuge begrenzt werden; eine fahrzeugbezogene „Kostendeckelung” ist zulässig.

Wird neben dem pauschalen Nutzungswert nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2  EStG eine Entnahme aufgrund der Nutzung des Kraftfahrzeugs zur Erzielung anderer Einkunftsarten erfasst, ist auch dieser Betrag den tatsächlichen Aufwendungen gegenüberzustellen (vgl. Randnummer 17).

Bei Anwendung der Kostendeckelung müssen dem Steuerpflichtigen als abziehbare Aufwendungen mindestens die nach § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 Satz 2, § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4 und Nummer 5  EStG ermittelten Beträge (Entfernungspauschalen) verbleiben.

Beispiel 4:

Für ein zu mehr als 50 Prozent für betriebliche Zwecke genutztes Kraftfahrzeug (Bruttolistenpreis 35.600 €) sind im Wirtschaftsjahr 7.400 € Gesamtkosten angefallen. Das Kraftfahrzeug wurde an 200 Tagen für Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte (Entfernung 27 Kilometer) genutzt. Ein Fahrtenbuch wurde nicht geführt.

1.     pauschaler Wertansatz nach § 4 Abs. 5, Satz 1, Nr. 6, EStG:

35.600 € x 0,03 % x 27 km x 12 Monate                                  =          3.460,32 €

2.    privater Nutzungsanteil nach § 6 Abs. 1, Satz 1, Nr. 4, EStG:                                              

35.600 € x 1 % x 12 Monate                                                     =          4.272,00 €

3.    Prüfung der Kostendeckelung:

       Gesamtaufwendungen                                                                     7.400,00 €

       pauschale Wertansätze (Summe aus 1. und 2.)                                7.732,32 €

       Höchstbeitrag der pauschalen Wertansätze                                     7.400,00 €

Die pauschalen Wertansätze übersteigen die entstandenen Gesamtkosten. Es liegt ein Fall der Kostendeckelung vor. Der pauschale Wertansatz für die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte nach § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6  EStG und der private Nutzungsanteil nach § 6 Absatz 1 Nummer 4 Satz 2  EStG sind auf die Höhe der Gesamtaufwendungen von 7.400 € beschränkt. Die Entfernungspauschale nach § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6 i. V. m. § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4  EStG i. H. v. 1.620,00 € (200 Tage × 27 km × 0,30 €) ist zu berücksichtigen.“

d)    Neben der Kostendeckelung können sich auch Zuzahlungen auswirken. Zahlt der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber aufgrund einer  vertraglicher Regelung für die private Nutzung eines Firmenfahrzeuges ein Nutzungsentgelt, mindert dies den Nutzungswert und damit den geldwerten Vorteil  (R 8.1 Absatz 9 Nummer 4 Satz 1 LStR 2011, BMF Schreiben vom 19.04.13). Es ist gleichgültig, ob das Nutzungsentgelt pauschal (z.B. € 100.- monatlich für private Nutzung) oder entsprechend der tatsächlichen Nutzung des Kraftfahrzeugs (z.B. € 0,20 je privat gefahrenen Kilometer) bemessen wird.

Für den Fall, dass der Arbeitnehmer aufgrund vertraglicher Verpflichtung einzelne KFZ-Kosten (z.B. neue Reifen,  KFZ-Reparaturen oder  Benzinkosten etc.) selbst tragen muss, können diese seit 01.07.2013 nicht mehr auf den geldwerten Vorteil  angerechnet werden. Selbst wenn der Arbeitnehmer auf die KFZ-Kosten  monatliche Abschlagszahlungen leistet verbleibt es bei dem durch die Pauschalierung ermittelten geldwerten Vorteil, der nicht um die Übernahme dieser Kosten reduziert werden kann.

e)     Wird ein Firmenwagen mehreren Arbeitnehmern zur Verfügung gestellt, so wird der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung  über die 1%-Regel nach Köpfen verteilt, d.h. auf jeden Nutzungsberechtigten entfällt unabhängig von der tatsächlichen Nutzung anteilig der gleiche Betrag. Die Pauschalierung des geldwerten Vorteils für die Wegstrecke Wohnung zur 1. Arbeitsstätte in Höhe von 0,03% des Bruttoneuwagenlistenpreises fällt hingegen bei  jedem Nutzungsberechtigten in voller Höhe an und ist insoweit individuell zu ermitteln. Hier ist zu empfehlen, ggf. auf die 0,002%-Regelung zurück zu greifen.

 

Stand 02/2016

 

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