Arbeitgeberlexikon


Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ist eine Abteilung des deutschen Zolls. Die Hauptaufgabe der FKS besteht in der Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Dazu führt sie in unregelmäßigen Abständen bundesweit Schwerpunktkontrollen durch.

Was prĂĽft der Zoll?

Die Zollbehörden prüfen etwa:

  • Sofortmeldepflicht (vorgeschrieben in bestimmten Branchen und Wirtschaftszweigen u.a. Hotellerie, Gastronomie, Baugewerbe, Speditions- und Logistikbranche mĂĽssen Beschäftigte bereits bei Aufnahme der Beschäftigung gemeldet worden sein)
  • Meldung zur Sozialversicherung (erfolgt ĂĽber Krankenkasse, ggf. zusätzlich zur Sofortmeldung)
  • Meldungen bei Entsendung (u.a. Entsendung von Pflegekräften, Handwerkern ins Inland)
  • Nebenverdienst bei Bezug von Sozialleistungen (etwa Bezug von Arbeitslosengeld)
  • erforderliche Aufenthaltstitel, Arbeitsgenehmigungen fĂĽr die Beschäftigung von Ausländern
  • Mit sich fĂĽhren der Ausweispapiere (in be­stimmten Branchen, u.a. in Hotellerie- und Gastronomie ist während der Arbeit der Personalausweis, Ausweis­ersatz, Pass oder Passersatz mit sich zufĂĽhren, der Arbeitgeber hat hierauf schriftlich hinzuweisen)
  • Lohnsteuerabzug (bspw. Mahlzeiten im Betrieb)
  • Einhaltung von Mindestarbeits­be­din­g­ung­en (u.a. Ăśberstundenzuschläge und Urlaubsgeld nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz, tariflicher oder gesetzlicher Mindestlohn)
  • Erlaubnis zur ArbeitnehmerĂĽberlassung

Der Zoll ist befugt, die Grundstücke und Geschäftsräume des Arbeitgebers bzw. Auftraggebers während der Arbeitszeit zu betreten. Der Arbeitgeber hat die Befragung der dort tätigen Personen zu dulden. Ebenso ist der Zoll befugt, während der Geschäftszeit die Prüfung der Geschäftsunterlagen vorzunehmen.

UnterstĂĽtzen Sie den Zoll

Die Behörden der Zollverwaltung sind befugt, Einsicht in die Lohn- und Meldeunterlagen, Bücher und andere Geschäftsunterlagen zu nehmen, aus denen Umfang, Art oder Dauer von Beschäftigungs­verhältnissen hervorgehen oder abgeleitet werden können. Als Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Auftraggeber, Dritter oder Entleiher von Personal sind Sie gesetzlich verpflichtet, bei Prüfungen des Zolls mitzuwirken und die erforderlichen Auskünfte zu erteilen.

Hierzu gehören unter anderem:

  • Personalien (Vor-, Familien- und Geburtsnamen, Ort und Tag der Geburt, Beruf, Wohnort, Wohnung und Staatsangehörigkeit)
  • Ausweispapiere (Personalausweis, Ausweisersatz, Pass, Passersatz)
  • falls erforderlich Aufenthaltstitel, Duldung, Aufenthaltsgestattung
  • Angaben zum Beschäftigungsverhältnis, u.a.
    • Höhe der Entlohnung
    • Lohnunterlagen, Gehaltsabrechnungen, Buchungsbelege
    • Nachweise ĂĽber erfolgte Lohnzahlungen, Quittungen bei Barzahlungen
    • Nachweise ĂĽber Meldungen zur Sozialversicherung im Inland und Ausland
    • Arbeitsverträge
    • Arbeitszeitnachweise (Stundenzettel, Anwesenheitslisten, Urlaubslisten etc.)
    • Nachweise ĂĽber steuerfreie Zuschläge
    • Verträge mit Subunternehmern
    • Nebeneinkommensbescheinigung bei Bezug von Sozialleistungen

Das Recht zu Schweigen

Auskünfte, die eine verpflichtete Person oder eine ihr nahe stehende Person (§ 383 I Nr. 1 bis 3 ZPO) der Gefahr aussetzen, wegen einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit verfolgt zu werden, können verweigert werden.

Beispiele für Verstöße und deren mögliche rechtliche Folge

Illegale Beschäftigung von Ausländern

  • Beschäftigung eines Ausländers ohne erforderliche Arbeitserlaubnis / Aufenthaltstitel: BuĂźgeld bis zu 500.000 € (§ 404 SGB III)
  • Bei vorsätzlicher Beschäftigung eines Ausländers ohne erforderliche Arbeitserlaubnis / Aufenthaltstitel und Beschäftigung zu ungĂĽnstigeren Arbeitsbedingungen als vergleichbare deutsche Arbeitnehmer: Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen: Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren(§ 10 Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz)

Meldepflichten gegenüber Sozialversicherungsträgern

  • Verletzung von Meldepflichten: BuĂźgeld bis zu 25.000 € (§ 111 Abs. 1 Nr. 2, Abs. 4 SGB IV)
  • Vorenthalten von Sozialversicherungsbeiträgen (Arbeitnehmer- u. Arbeitgeberanteil) durch unrichtige, unvollständige oder unterlassene Angaben gegen ĂĽber der Einzugsstelle. Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren, in besonders schweren Fällen bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe ( § 266a StGB)

Verstöße im Zusammenhang mit unrechtmäßigem Leistungsbezug

  • Arbeitgeber erstellt eine Arbeits- oder Nebeneinkommensbescheinigung nicht oder nicht richtig, nicht rechtzeitig oder nicht vollständig: BuĂźgeld bis zu 2.000 € (§ 404 Abs. 3 SGB III)
  • Arbeitnehmer bezieht Sozialleistungen (z.B. Arbeitslosengeld), meldet den Nebenverdienst der auszahlenden Behörde nicht (Leistungsbetrug): Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder Geldstrafe (§ 263 StGB)

Verstöße im Zusammenhang mit der Ausweispflicht in bestimmten Branchen

  • Arbeitgeber hat den schriftlichen Hinweis auf die MitfĂĽhrungspflicht nicht oder nicht fĂĽr die vorgeschriebene Dauer aufbewahrt, nicht oder nicht rechtzeitig vorlegt: BuĂźgeld bis zu 5.000 € (§8 Abs. 3 SchwarzArbG)
  • Arbeitnehmer hat seinen Ausweis nicht mit sich gefĂĽhrt oder nicht rechtzeitig vorgelegt: BuĂźgeld bis zu 1.000 € (§8 Abs. 3 SchwarzArbG)

VerstoĂź gegen die Sofortmeldepflicht

  • Wird die Sofortmeldung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig erstattet: BuĂźgeld bis zu 5.000 € (§§ 28a, 111 Abs.4 SGB IV)

Verstöße gegen das Mindestlohngesetz

§ Arbeitgeber, die entgegen § 17 Absatz 1 Satz 1 MiLoG die Arbeitszeiten nicht, nicht richtig oder nicht vollständig dokumentieren bzw. die Dokumentation der Arbeitszeiten nicht mindestens zwei Jahre aufbewahren können mit einer Geldbuße bis 30.000 € belegt werden (§ 21 MiLoG)

§ Soweit der gesetzliche Mindestlohn nach §§ 1, 20 MiLog nicht oder nicht rechtzeitig zahlt wird, können Verstöße mit einer Geldbuße bis zu 500.000 € geahndet werden (§ 21 MiLoG)

Als mögliche weitere rechtliche Konsequenz kann der Entzug der Gaststättenerlaubnis (§ 15 GaststättenG ) respektive eine Gewerbeuntersagung (§ 35 GewerbeO) folgen.

FĂĽr weitere Fragen stehen wir Ihnen unter info@lohn-ag.de oder unter 07221-3939910 zur VerfĂĽgung.

Stand 01/2016

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